Vereinsgeschichte

Schachunion Ebersberg-Grafing e.V.

Ein Schachverein im Wandel der Zeiten

Die Schachunion feierte 2005 ihr 40-j√§hriges Jubil√§um, da sich 1965 drei bis dahin selbst√§ndige Vereine zur Schachunion zusammengeschlossen hatten. Damit hat sie auch eine Vorgeschichte, die bis 1949 zur√ľckreicht.

Beginn und Aufschwung in Zeiten größter Not

Schachvereine im Landkreis Ebersberg entstanden erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vor dieser Zeit waren Schachvereine in Deutschland fast nur in gr√∂√üeren St√§dten zu finden, in den ersten Nachkriegsjahren folgte jedoch ein Aufschwung des Schach √ľberall im Land.

In Zeiten gr√∂√üter allgemeiner Not, bei kaum vorhandenem Freizeitangebot, bot das Schachspiel ein g√ľnstiges Mittel, den Alltagssorgen zu entfliehen und sich in geselliger Weise im Schachklub geistig zu bet√§tigen und abzulenken. Vor allem f√ľr heimkehrende Soldaten, die das Spiel oft erst w√§hrend des Krieges oder in Gefangenschaft gelernt hatten, aber auch f√ľr neu einzugliedernde Heimatvertriebene passte das Spiel zum gesellschaftlichen Neuanfang.

Ein Hauptproblem f√ľr die damals neu entstehenden Vereine war damals die Verkehrssituation: Es gab kaum Autos und nur wenig √∂ffentlichen Nahverkehr, so dass viele Spieler √ľber weite Strecken mit dem Fahrrad zum Klubabend anreisen mussten.

Ebersberg, Grafing und Kirchseeon als eigenständige Vereine

Schachclub Ebersberg

Im Oktober 1949 schlossen sich auf Initiative des Amtsgerichtsrats Georg Marquard Schachinteressenten aus Ebersberg und Orten der Umgebung zu einem Schachverein zusammen. G. Marquard leitete den Verein erfolgreich bis zur Fusionierung 1965 und wurde dann Vorsitzender der Schachunion bis 1983, f√ľhrte den Verein damit 34 Jahre lang.

Schon 1953 wurde der r√ľhrige Klub ( 48 Mitglieder, 1. Mannschaft in der A-Klasse im Bezirk Oberbayern) mit der Ausrichtung des Oberbayerischen Schachkongresses betraut. Otto Thiermann, der sp√§tere Pr√§sident des Bayerischen Schachbundes, war Ehrenmitglied. Zum Abschluss dieser Oberbayerischen Meisterschaft wurde am 3. Mai 1953 auf dem Marienplatz in Ebersberg eine Lebendschachpartie aufgef√ľhrt.

Schachklub Kirchseeon

In der benachbarten Gemeinde Kirchseeon entstand ein Schachverein im Jahre 1950. Er war Mitglied im Bezirksverband M√ľnchen. Dem aktiven Verein unter der Leitung von Erwin Pusa wurde 1961 die Ausrichtung des Bayerischen Schachkongresses sowie der Bayerischen Meisterschaft √ľbertragen.

Schachclub Grafing

Im Jahre 1955 wurde schlie√ülich auch in Grafing ein Schachverein gegr√ľndet. Organisiertes Vereinsschach gibt es damit in Grafing heuer seit genau 50 Jahren. Der Klub spielte im Bezirk Oberbayern und erreichte dort die A-Klasse. 1960 wurde sein Jugendspieler Lothar Stadler Oberbayerischer Jugendmeister.

Probleme der Schachvereine in den 1960er Jahren

In den 1960er Jahren durchliefen die meisten deutschen Schachvereine eine Entwicklung, die im Kern sehr √§hnlich und zudem typisch f√ľr die gesellschaftlichen √Ąnderungen war. In den Zeiten des Wirtschaftswunders hatten die Menschen wieder weniger Zeit und Lust f√ľr Schach. Viele orientierten sich st√§rker am beruflichen Aufstieg, es gab ein verst√§rktes Freizeitangebot, man begann zu verreisen, das Auto wurde immer wichtiger. Vor allem aber war die Konkurrenz des Fernsehens zu sp√ľren: Manch ein Klubspieler schaut lieber zu Hause einen Krimi an statt im Verein Schach zu spielen.

Gr√ľndung der Schachunion Ebersberg-Grafing-Kirchseeon 1965

Zu den genannten Problemen, die zu einem R√ľckgang der aktiven Spieler f√ľhrten, kamen bei den drei Vereinen auch Schwierigkeiten mit dem jeweiligen Spiellokal. Ebersberg hatte einen mehrmaligen Lokalwechsel, der SC Grafing wurde zu mehrmaligem Umzug gezwungen, nachdem das Cafe H√∂pfner am Urtelbach (Spiellokal seit der Gr√ľndung 1955) geschlossen wurde.

Auch in Kirchseeon musste durch Lokalschwierigkeiten ein Abflauen der Spieltätigkeit hingenommen werden. So kam es nicht von ungefähr, dass die drei benachbarten Vereine mit konkreten Fusionsgesprächen begannen, bot doch ein Zusammenschluss zudem erfreuliche Perspektiven: eine Verbesserung der Spielmöglichkeiten und eine Anhebung des gesamten Spielniveaus. Als Vorsitzende der neuen Schachunion wurde das Triumvirat Georg Marquard (Ebersberg), Erwin Pusa (Kirchseeon) und Josef Danner (Grafing) gewählt.

An den Erfolgen der Schachunion lässt sich ersehen, dass die Fusion sicherlich die beste Lösung war, um den Schachsport in den 1960er Jahren im Landkreis verankert zu halten.

Ein Höhepunkt folgte 1974, als die Schachunion Ausrichter des Bayerischen Schachkongresses und der Bayerischen Meisterschaft war (in der Sieghartsburg Ebersberg).

Die Jugendarbeit der Schachunion trug im Jahre 1975 sch√∂ne Fr√ľchte: Die Jugendmannschaft der Schachunion (mit Helmut und Stefan K√ľchenhoff, Christian Peter, Thomas Frenzel) errang bei der Bayerischen Mannschaftsmeisterschaft den 2. Platz und kehrte von der Deutschen Jugendmeisterschaft in Hamburg mit dem geteilten 6.-8. Platz zur√ľck.

Weiterer Aufschwung des Schach in den 1970er und 1980er Jahren

Schon in den 1970er Jahren √§nderte sich das Bild des Schachsports in der √Ėffentlichkeit. Der WM-Kampf Fischer-Spasski 1972 fand gr√∂√üte Medienpr√§senz, Open (offene Schachturniere, bei denen Amateure auch mit Gro√ümeistern spielen konnten) schossen wie Pilze aus dem Boden und boten Schachspielern gute M√∂glichkeiten, ihre Spielst√§rke zu steigern. Vor allem aber wurde √ľberall Jugendarbeit intensiviert: In mehreren Schulen des Landkreises gab es Schulschachgruppen, aus denen talentierte Spieler hervorgingen.

Im Landkreis, wo es lange nur die Schachunion gab, entstanden im Laufe der Jahre zahlreiche neue Schachvereine (TSV Poing , SV Anzing , SK Markt Schwaben, SC Kirchseeon , SC Vaterstetten, SU Hirschbichl und SG Zorneding-Pöring).

Aufstieg der Schachunion in die Regionalliga

In der Saison 1986/87 belegte die Schachunion in der Bezirksliga M√ľnchen den 1. Platz und stieg als M√ľnchner Bezirksmeister in die Regionalliga S√ľdwest (Vereine aus den Bezirken M√ľnchen und Schwaben) auf. In den Folgejahren konnte die Schachunion stets einen guten Mittelplatz erreichen. Sie wurde als sympathischer Amateurverein dank seiner Spielst√§rke zu einem Magneten, der starke Spieler aus dem Landkreis und dar√ľber hinaus anzog. In den Jahren seit 1985 spielten nicht nur Aktive aus Vaterstetten, A√üling, Markt Schwaben, Forstinning etc., sondern sogar aus Erding, Forstern,Waldkraiburg etc.

Gro√üen Anteil an den Erfolgen hatten sicherlich die Vereinsvorsitzenden dieser Zeit. Bis 1983 leitete Georg Marquard die Geschicke des Vereins, von 1983-88 war Hans-J√∂rgen Hasselmann Vorsitzender. Ihm folgte der leider schon verstorbene Dr. Holger Fliessbach von 1988-93., dann √ľbernahm Otto Effler das Amt und f√ľhrte es von 1993- 2001 aus. Seitdem wird der Verein von Georg Schweiger und seinem Stellvertreter Ulrich Zenker geleitet.

1992 wechselte die Schachunion aus dem Bezirk M√ľnchen in den Bezirk Oberbayern: Im Schach gibt es acht bayerische Bezirke, Orte in der Peripherie M√ľnchens haben/ hatten zumeist die Wahl des Bezirks.In der Spielzeit 1993/94 spielte die erste Mannschaft erstmals in der Regionalliga-S√ľdost (Vereine aus Ober-und Niederbayern), die 2.Mannschaft in der A-Klasse Inn-Chiem und die 3. in der B-Klasse.

1995: Neuer Vereinsname

1995 wurde eine √Ąnderung des Vereinsnamens beschlossen: Da Kirchseeon seit 1982 einen eigenen Schachverein hatte, hie√ü die Schachunion nunmehr nur noch Schachunion Ebersberg-Grafing.

Im Jahre 2000 musste die Schachunion aufgrund ungl√ľcklicher Umst√§nde als Viertletzter der Regionalliga in die Bezirksliga Oberbayern absteigen, in der sie von 2000-2005 immer im Vorderfeld zu finden war.

Im Juli 2005 feierte die Schachunion mit zahlreichen spektakul√§ren Veranstaltungen ihr 40-j√§hriges Bestehen, wobei insbesondere eine Lebendschachvorf√ľhrung im Klosterbauhof und eine Kunstausstellung in der Alten Brennerei √ľberregionales Aufsehen erregten. Anl√§sslich des Jubil√§ums erschien eine aufw√§ndig gestaltete Festschrift. Auf den kulturellen Erfolg folgte ein Jahr sp√§ter der sportliche:

Im f√ľnften Anlauf, in der Saison 2005/2006 schaffte die Schachunion als Tabellenerster und damit Oberbayerischer Mannschaftsmeister den Wiederaufstieg in die Regionalliga S√ľdost.

In dieser Saison war sogar ein Doppelaufstieg zu feiern, denn die 2. Mannschaft erreichte als Sieger der A-Klasse Inn-Chiemgau den Aufstieg in die Kreisliga Inn-Chiemgau (= eine Spielklasse unter der Bezirksliga Oberbayern).

Ausblick

An den Klubabenden im sch√∂nen Vereinsdomizil im Klosterbauhof Ebersberg (jeden Donnerstag) herrscht ein reges Vereinsleben. Seit Juli 2005 gibt es im Innenhof des Klosterbauhofs auf Antrag der Schachunion sogar ein Freiluftschach, ,ein weiteres Freiluftschach ist im Stadtpark Grafing. Nach einer gewissen Flaute sind wieder viele talentierte Jugendliche beim Jugendtraining mit Klaus Rudolph und Gisbert Wolfram, die U20 Mannschaft wurde 2005 sogar Oberbayerischer Meister und spielte 2005/2006 in der U20-Landesliga S√ľd. Neben zahlreichen M√∂glichkeiten, an diversen Vereinsturnieren (Klubmeisterschaft, Pokal, Sereinblitzturniere, Thematurniere u.a.) teilzunehmen, haben die Mitglieder auch die Chance, sich durch Theorieabende von Ulrich Zenker deutlich zu verbessern.

Georg Schweiger